Zusammenstellung von Fakten und Erkenntnissen

1. Generelle Bemerkungen zur Zuverlässigkeit von Aussagen seitens der Bundeswehr:

Im Jahre 2004 wurde die Außerbetriebnahme des „Teppichklopfers“ Bell UH 1D für Ende 2007 angekündigt. Ende 2008 wird allerdings von Ende 2011 gesprochen. Am 22. März 2009 ist im Zusammenhang mit der „unverändert hohen Konzentration des Flugbetriebes in Wietzenbruch“ zu lesen, dass eine „schrittweise Reduzierung“ der Bell erfolgen soll. Wann beginnt die Reduzierung, wann ist der Spuk vorbei?

Schlussfolgerung: Hier wird auf Zeit gespielt. Allen Ankündigungen ist wenig Zuverlässigkeit beizumessen.


2. Flugbetrieb und „Mittagsruhe“:

In einem Schreiben vom 1. 3. 2003 teilt das Ausbildungszentrum mit: „Leider verlangt jedoch der Ausbildungsauftrag, auch am Flugplatz Wietzenbruch Platzrundenbetrieb durchzuführen. Der Platzrundenbetrieb wird grundsätzlich nicht in der Zeit von 12.00 – 14.00 Uhr und nach 22.00 Uhr durchgeführt.“

Wahrnehmung: Die Mittagsruhe wird selten, eher gar nicht, eingehalten und die Nachtruhe auch nicht.


3. Östliche Fluggrenze für Platzrunden (Bahnlinie mit „Lärmschutzwand“):

Diese östliche Grenze ist häufig in der Presse genannt und auch von Oberstleutnant Thun bei der Ortsratssitzung am 5. 11. 2008 betont worden. Nach Protesten von Zuhörern räumte er ein (sinngemäß): “…….die Piloten haben auf so viele Dinge zu achten, dass es schon mal vorkommen kann, dass sie an dieser Stelle die Kurve nicht richtig kriegen.“ Hierzu schreibt auch Herr Otte (Bundestagsabgeordneter, CDU) am 18. 12. 2008: „Die Bundeswehr kann nur mit der Akzeptanz der Bevölkerung arbeiten nicht gegen sie. Deswegen werden Abweichungen von den normalen Flugrouten nach Möglichkeit vermieden. Sollte es im Ausnahmefall doch zu Überflügen kommen, handelt es sich ………um Flugfehler oder um Ausweichmanöver, die aus Gründen der Flugsicherheit absolut zwingend sind.“

Beobachtung und Schlussfolgerung: Das Überfliegen dieser Grenze kommt häufig vor und wird von den Anwohnern stets beklagt. Diese Flugfehler sind eindeutig protokolliert. Obwohl westlich und südlich des Flugplatzes ausreichend Platz ist, finden die Platzrunden auf engstem Raum in Wohngebietsnähe statt. Es ist fraglich, ob unter diesen flugtechnischen Zwängen diese Art des Flugbetriebes überhaupt hätte etabliert werden dürfen.


4. Flughöhen:

Allgemein wird beklagt, dass die Flüge in zu niedriger Höhe stattfinden. Es wurde mal eine Höhe von 300 m als normal genannt. Die wird auf gar keinen Fall eingehalten. Von einem Bundeswehroffizier wurde sogar einmal geäußert: „Wenn im Wittekop die Bäume nicht so hoch wären, würden wir noch niedriger fliegen.“

Beobachtung: Beim Instrumentenanflug werden im Wohnbereich Ohlhorststraße/Burgtorfsfeld Anflüge beobachtet, die mit Sicherheit unter 100 m liegen; orientiert an der Höhe eines Einfamilienhauses liegt die Flughöhe eher bei 50 m.


5. Das Fluglärmgesetz ermöglicht Lärmschutzbereiche:

Das Bundesumweltministerium schreibt am 20.02.2009: „………Allerdings zählen Hubschrauberflugplätze nicht zu den Flugplätzen, die die nach § 4 Abs. 1 des Fluglärmgesetzes in jedem Fall ein Lärmschutzbereich festzulegen ist. In § 4 Abs. 8 des Gesetzes ist jedoch vorgesehen, dass auch für andere als die in Absatz 1 genannten Flugplätze ein Lärmschutzbereich festgesetzt werden soll, wenn der Schutz der Allgemeinheit es erfordert. Zuständig für den Vollzug des Fluglärmgesetzes ist das jeweilige Land.“

Schlussfolgerung: Daraus wird deutlich, dass die Klausel „Schutz der Allgemeinheit“ den Schutz der Anwohner zulässt, wenn nicht sogar fordert. Warum unterbleiben in Celle entsprechende Maßnahmen?


6. Vorsorgende räumliche Trennung zwischen Flugplatz und Wohngebieten:

Unter Ziffer 07 der Landesraumordnung heißt es: „……… brauchen die Gemeinden eine ausreichende Planungssicherheit für ihr Siedlungsentwicklung. Ziel ist, sicherzustellen, dass die Abstände zwischen emittierenden militärischen Anlagen und Wohnbebauung sowie sonstigen lärmempfindlichen Einrichtungen nicht geringer werden. Insbesondere ein Heranrücken der Wohnbebauung an Flugplätze soll verhindert werden.“

Schlussfolgerung: Das ist offensichtlich nicht beachtet worden. Demzufolge sind die Ansiedlungen im lärmrelevanten Wohngebiet letztendlich auch ein Genehmigungsproblem der Stadt Celle. Häuser in diesem Gebiet sind nicht illegal errichtet worden. Sie befinden sich auf als Bauland ausgewiesenem Gebiet mit der Genehmigung der Gemeinden bzw. der Stadt Celle.


7. Zukunftsaussichten:

Anlässlich der Kommandoübergabe in den Immelmann-Kaserne berichtete der Celler Kurier am 22.03.2009: „Weichen für Weiterentwicklung des Flugplatzes erfolgreich gestellt“. Im Bericht heißt es: „Direkte Folge bleibe die unverändert hohe Konzentration des Flugbetriebes in Wietzenbruch.“

Schlussfolgerung: Wer damit gerechnet hat, dass sich die Fluglärmbelastung verringert, sieht sich getäuscht. Mit einer Rücksichtnahme auf die genervten Anwohner ist nicht zu rechnen.


8. Der Flugplatz hat „ältere Rechte“:

Der Flugplatz wurde 1934 gebaut. Die danach in den angrenzenden Wohngebieten errichteten Häuser waren aber eher da als die Hubschrauber, die aktuell der Beschwerdegrund sind. Sich auf Gegebenheiten von 1934 zu beziehen, ist in jeder Hinsicht problematisch zu sehen. Vor allem aber ist die (Nicht-)Bebauung von 1934 nicht mehr herzustellen.

Schlussfolgerung: Wie bereits unter 6. ausgeführt, sind durch die offizielle und genehmigte Bebauung in Flugplatznähe Tatsachen geschaffen worden, an die nun ein Flugbetrieb anzupassen ist.


9. Wertverfall von Wohneigentum:

Es ist unbestritten, dass die Wohngebiete allgemein zu Lärmzonen verkommen. Wohneigentum ist kaum noch zum eigentlichen Marktwert zu veräußern. Der Hinweis auf den Fluglärm, bzw. die kaum vermeidbare Wahrnehmung des Fluglärms durch Kaufinteressenten, sorgen für eine schwache Position des Verkäufers. Wohnortwechsel, einerseits wegen des Fluglärms, andererseits aus beruflichen Gründen, werden zum finanziellen Fiasko. Wer sich Wohneigentum zur Absicherung im Alter zugelegt hat (Immobilie = sichere Geldanlage für eine Veräußerung im Alter, um damit z.B. ein betreutes Wohnen zu finanzieren), sieht sich seiner Wertanlage beraubt.

Schlussfolgerung: Es ist völlig unakzeptabel, den Fluglärm auf dem Rücken der Anwohner (unabhängig von deren Alter) auszutragen, die damit - neben der allgemeinen gesundheitlichen Beeinträchtigung – auch noch finanzielle Verluste in Kauf nehmen müssen.


Zusammenfassung:

Ein Widerstand ist gerechtfertigt, um die gegenwärtige Situation zu verbessern und eine Ausweitung des Flugbetriebes zu verhindern.

„Für mehr Lebensqualität in den Ortsteilen“ war übrigens eine Wahlkampfaussage von Dirk-Ulrich Mende vor der Wahl zum OB.

Die Bürger sind nun aufgerufen, dieses Versprechen einzufordern.